Von Marion Spengler – Kinder, die in der Schule fleißig, gewissenhaft und leistungsorientiert sind, leben wahrscheinlich länger als ihre widerspenstigen und ungeduldigen Mitschülerinnen und Mitschüler Extra resources. Dieser Zusammenhang konnte in einer Untersuchung gezeigt werden. Dafür wurden das Verhalten in der Schule und die Charaktereigenschaften von Schülerinnen und Schülern analysiert und untersucht, ob diese Eigenschaften in Zusammenhang mit der Lebenserwartung standen.

Als Grundlage diente eine Studie aus dem Jahr 1968 (MAGRIP; http://magrip.lu/pages/de/index.php), bei der etwa die Hälfte eines Jahrgangs in Luxemburg nach ihren Gedanken, Gefühlen, Schul- und Lebensgewohnheiten befragt wurde. Insgesamt rund 2.500 damalige Sechstklässler, die im Durchschnitt knapp 12 Jahre alt waren, nahmen daran teil. Sie mussten ihre Schulleistung einschätzen und ihr Verhalten beurteilen, außerdem unterzogen sie sich einem Intelligenztest, und der Beruf sowie das Einkommen der Eltern wurden berücksichtigt. Aus früheren Studien weiß man, dass ein hoher Intelligenzquotient und der Status der Eltern die Lebenserwartung positiv beeinflussen. Daher wurden diese Daten zur Kontrolle der Ergebnisse herangezogen.

Die Kinder mussten Fragen nach ihrem Verhalten beantworten, zum Beispiel „Ich gebe mir große Mühe, meine Hausaufgaben richtig und sorgfältig zu machen“, „manchmal passe ich in der Schule nicht auf“ oder „ich habe meiner Mutter freche Antworten gegeben“. Außerdem wurden auch die Lehrerinnen und Lehrer gefragt, wie fleißig die einzelnen Schülerinnen und Schüler im Unterricht waren. Während solche Faktoren wie Nachlässigkeit oder Respektlosigkeit gegenüber den Eltern keinen nennenswerten Einfluss auf die Lebensdauer hatten, wurde in den Analysen ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen dem Fleiß der Schülerinnen und Schüler und der Lebenserwartung gefunden: Die von den Lehrern als „fleißig“ bezeichneten Schülerinnen und Schüler hatten eine statistisch höhere Chance, nach einer Zeitspanne von 40 Jahren noch am Leben zu sein. Damit fiel dem Fleiß eine noch höhere Bedeutung zu als der Intelligenz oder dem familiären Hintergrund.

Eine Erklärung könnte sein, dass die fleißigen Schüler auch einen verantwortungsbewussteren Lebensstil pflegen. Man könnte vermuten, dass sie sich gesünder ernähren und regelmäßiger zum Arzt gehen. Die anderen dagegen könnten tendenziell risikobereiter sein, hätten dadurch mehr Unfälle oder probierten vielleicht risikoreichere Sexualpraktiken oder Drogen aus. Die Frauen waren übrigens mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit noch am Leben als die Männer.

Warum der Zusammenhang zwischen Fleiß und Lebenserwartung am größten ist, das muss in weiteren Studien untersucht werden. Denn sollte sich herausstellen, dass gesundheitsbewusstes Verhalten tatsächlich eine Rolle für diesen Zusammenhang spielt, dann ist das ein spannender Ausgangspunkt für weitere Forschung. Gesundes Verhalten könnte beispielsweise durch Bildung vermittelt und entsprechende Lerninhalte in den Bildungsplan übernommen werden.

 

Originalpublikation:

Spengler, M., Roberts, B. W., Lüdtke, O., Martin, R., & Brunner, M. (2016). The Kind of Student You Were in Elementary School Predicts Mortality, Journal of Personality 84(4), 547-553. doi: 10.1111/jopy.12180

 

Dr. Marion Spengler ist Senior Researcher am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung. Ihre Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle von Persönlichkeitspsychologie und empirischer Bildungsforschung. Im Besonderen untersucht sie den Einfluss von Persönlichkeit auf kurz- und langfristige Bildungsoutcomes (z.B. akademischer Erfolg, Berufserfolg, Gesundheit, Langlebigkeit). Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit Persönlichkeitsentwickung im Jugendalter.

 

 

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