Von Richard Göllner – Was passiert mit der Persönlichkeit von Heranwachsenden in den Jahren der Pubertät? Ändert sich die Persönlichkeit und alles wird anders und extrem? Oder bleiben die zentralen Aspekte der Persönlichkeit unverändert? Diesen Fragen sind wir in einer unserer aktuellen Studien nachgegangen. Befragt wurden knapp 3.000 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 10 und 14 Jahren, wobei wir uns für die fünf klassischen Faktoren der Persönlichkeit interessierten: emotionale Stabilität, die Verträglichkeit, die Extraversion, die Offenheit und die Gewissenhaftigkeit.

Hierzu schätzten sich die Jugendlichen selbst ein und wurden zum Vergleich auch von Ihren Eltern eingeschätzt. Die Jugendlichen beurteilten beispielsweise „wie schnell sie jemanden kritisieren“, „inwiefern sie Aufgaben sofort erledigen, „ästhetische Dinge schätzen“, „schnell in Stress geraten“ oder „gern mit anderen zusammen sind“.

Tatsächlich zeigen die Ergebnisse, dass sich die Persönlichkeit von Jugendlichen verändert, wenn auch anders als vermutet. Wie bisherige Studien nämlich belegen, werden wir im Laufe des Lebens gewissenhafter, verträglicher, emotional stabiler und weitgehend auch sozialer und offener für neue Erfahrungen. Mit der Untersuchung zeigte sich jedoch, dass dieses Reifungsprinzip nicht für alle Lebensphasen zu gelten scheint: Die „Big Five“ Persönlichkeitsfaktoren entwickeln sich in der Pubertät nicht gemäß dem typischen Bild der Reifung. So beschrieben sich Jugendliche als zunehmend weniger verträglich und weniger offen.

In der Studie interessierte uns allerdings nicht nur inwiefern sich Heranwachsende selbst erleben, sondern auch wie Eltern die Persönlichkeitsentwicklung der eigenen Kinder einschätzen. Überraschenderweise zeigten die Elternberichte extremere Veränderungen synthroid dosage. So sahen Eltern ihre Kinder als weitaus weniger verträglich, weniger offen aber auch emotional stabiler und weniger ängstlich. Vermutlich ist es genau diese Merkmalskombination, die typischerweise mit pubertierenden Mädchen und Jungen in Verbindung gebracht wird.

Einige Unterschiede zwischen Eltern und Kindern ergaben sich für die Gewissenhaftigkeit und die Extraversion. Überrascht hat uns auch, dass die Jugendlichen sich in Bezug auf die Gewissenhaftigkeit selbst viel kritischer sahen als ihre Eltern das taten. Sie waren der Meinung, weniger leistungsbereit, diszipliniert und zuverlässig geworden zu sein. Die Eltern dagegen stellten in diesem Punkt fast keine Veränderung ihrer Kinder fest. Bei der Extraversion war es umgekehrt: Die Eltern erlebten ihre Kinder zunehmend weniger kontaktfreudig als diese sich selbst beurteilten. Möglicherweise rührt das daher, dass die Eltern ihre Kinder zum größten Teil zu Hause erleben, die Jugendlichen aber eher ihr Verhalten außerhalb der Familie im Blick hatten.

Die Mädchen waren übrigens insgesamt verträglicher, gewissenhafter und offener als die Jungen und die Extravertiertheit stieg bei ihnen schneller an. Die Ursachen hierfür sind vermutlich vielfältig und umfassen sowohl Unterschiede in der biologischen und sozialen Reifung.

 

Originalpublikation:

Göllner, R., Roberts B. W., Damian, R. I., Lüdtke, O., Jonkmann, K., Trautwein, U., (2016) “Whose ‘Storm and Stress’ Is It? Parent and Child Reports of Personality Development in the Transition to Early Adolescence”, Journal of Personality. Online first: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jopy.12246/abstract

 

Richard Göllner ist Senior Researcher und Nachwuchsgruppenleiter am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung.

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