3 Fragen an Christiane Bertram

Von der Lehrerin zur Professorin – Christiane Bertram ist diesen Weg gegangen. Promoviert hat sie am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen. Seit Anfang 2017 ist sie Juniorprofessorin für Fachdidaktik in den Sozialwissenschaften an der Universität Konstanz.

Wie sind Sie damals als Lehrerin auf die Idee gekommen, zu promovieren, und war das einfach?

Als Lehrerin zu promovieren, das geht eigentlich gar nicht. Man hat weder die Zeit noch das Geld dafür. Als ich in der Elternzeit mit meiner zweitjüngsten Tochter beim Regierungspräsidium wegen der Möglichkeit einer Promotion nachfragte, kam als Antwort, dass ich für das Unterrichten, nicht für die Wissenschaft bezahlt würde.

Doch immerhin gelang es mir in dem Jahr Elternzeit, ein Thema (Wirksamkeit von Zeitzeugen im Geschichtsunterricht), einen Betreuer (Ulrich Trautwein und am Anfang Thorsten Bohl) und eine Finanzierung zu finden. Denn gerade in diesem Jahr wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Rahmenprogramm zur Förderung der Empirischen Bildungsforschung aufgelegt, das sich in der Förderrichtlinie zur Empirischen Fundierung der Fachdidaktiken explizit auch an Lehrkräfte wandte. Das war meine Chance!

Ein weiterer Glücksfall war, dass genau zu dieser Zeit (2008/09) Ulrich Trautwein an die Universität Tübingen kam und die Abteilung für Empirische Bildungsforschung und Pädagogische Psychologie, Vorläufer des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung, aufbaute. Gemeinsam warben wir das Promotionsprojekt ein. Damit wurde meine Stelle für drei Jahre vom BMBF finanziert und darüber hinaus standen uns ausreichend Sachmittel für Hilfskräfte und Reisekosten zur Verfügung.

Inwiefern konnten Sie im Rahmen Ihrer Forschertätigkeit von Ihrer Lehrerausbildung/Lehrertätigkeit profitieren?

Von meiner Erfahrung als Lehrerin konnte ich als Forscherin am Hector-Institut sehr profitieren, denn meine Dissertationsstudie war in der Praxis verwurzelt. Die Unterrichtsintervention, die ich in dreißig neunten Klassen durchgeführt habe, baute auf meinen Erfahrungen als Lehrerin auf. Zudem tat es dem Institut gut, eine Lehrkraft im Team zu haben, die die Abläufe in der Schule gut kennt und bei der Konzeption von Studien oder auch bei der Diskussion der wissenschaftlichen Ergebnisse einen (kritischen) Blick aus der Praxis beisteuert.

Wie fließen Ihre Praxiserfahrungen aus Schule und Promotion nun in Ihre neue Herausforderung im Bereich der Lehrerausbildung an der Uni Konstanz ein?

Die Juniorprofessur für Fachdidaktik in den Sozialwissenschaften, die ich jetzt an der Universität Konstanz inne habe, bietet mir eine einzigartige Chance, meine Erfahrungen aus der Schule und aus der Wissenschaft in den Aufbau der hiesigen Binational School of Education (BiSE) einzubringen. Ich bin hier verantwortlich für die Neukonzeption der Fachdidaktik in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung an der Uni Konstanz und nehme als Mitglied des Vorstands der BiSE Einfluss auf die theoretische und empirische Fundierung der Fachdidaktik.

In der Ausbildung der Lehramtsstudierenden profitiere ich von meinen Erfahrungen als Lehrerin, denn ich weiß, was auf die Studierenden in der Schule zukommt. Gleichzeitig gebe ich ihnen als Wissenschaftlerin, die in interdisziplinären und internationalen Forschungsverbünden mit Forschenden in der Fachdidaktik, der Fachwissenschaft und der Bildungsforschung zusammenarbeitet, einen tieferen Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten. Damit leiste ich einen Beitrag dazu, die Arbeitsweise und die Ergebnisse der Forschung in die Ausbildung der Lehramtsstudierenden einzubringen, ohne den Blick für die praktische Umsetzbarkeit in der Schule zu verlieren.

 

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