Hintergrund

Einige Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Kinder mit einer ADHS nicht nur Probleme mit der Aufrechterhaltung ihrer Aufmerksamkeit und hyperaktiven und/ oder impulsiven Verhaltensweisen zeigen, sondern auch in der Schule durchschnittlich schlechter abschneiden. Wir nehmen an, dass ein Biofeedbacktraining in der Lage ist, das Verhalten und die Aufmerksamkeitsleistung zu verbessern, und auch die schulische Leistungsfähigkeit positiv zu beeinflussen. Das Biofeedbacktraining ist eine therapeutische Methode, mit der Kinder lernen können, Kontrolle über bestimmte Vorgänge in ihrem Körper zu erlangen. Ziel eines solchen Trainings ist, dass das Kind sein Verhalten und seine Aufmerksamkeit besser zu steuern und zu kontrollieren lernt. Die Methode des Biofeedbacktrainings wird seit vielen Jahren erfolgreich in der Therapie der ADHS eingesetzt. Viele Studien konnten zeigen, dass es Kindern nach verschiedenen Arten eines solchen Trainings deutlich leichter fällt, aufmerksam zu sein. Zudem können sie hyperaktive und impulsive Verhaltensweisen besser kontrollieren.

 

Was wir untersuchen

Unsere Studie hat das Ziel, die Veränderungen der Aufmerksamkeitsleistung, des Verhaltens und der schulischen Leistungsfähigkeit, die durch die Teilnahme an einem Biofeedbacktraining erreicht werden könnten, zu untersuchen. Die teilnehmenden Kinder erlernen dabei Strategien, mit denen sie ihre Hirnaktivität regulieren und ihre Konzentration und Impulskontrolle steigern können. Dank einer verbesserten Durchblutung des Gehirns können sie dadurch möglicherweise auch ihre kognitive und damit schulische Leistung verbessern. Während es bereits viele Neurofeedbackstudien gibt, bei denen Hirnströme mittels Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen und für die Probanden am Bildschirm sichtbar gemacht werden, setzen wir auf eine bisher kaum berücksichtigte Methode, die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS). Dabei wird die Durchblutung des Gehirns gemessen und rückgemeldet. Zudem untersuchen wir, ob sich die Effekte des Trainings in einer 2D- und einer 3D- Umgebung und bei verschiedenen Arten von Biofeedbacktrainings unterscheiden und wie Kinder mit ADHS eine Lehrsituation im virtuellen Klassenzimmer wahrnehmen.

 

Vorgehensweise

An der Studie teilnehmen können Kinder der 1. bis 4. Klasse, bei denen der Verdacht besteht, dass sie an ADHS leiden, oder die bereits diese Diagnose erhalten haben. Zunächst gibt es ein Aufklärungsgespräch und eine ausführliche Diagnostik der ADHS, auch in Kooperation mit der Spezialambulanz ADHS der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Universität Tübingen. Sind alle Einschlusskriterien erfüllt und das Einverständnis der Eltern gegeben, so kann die Teilnahme mit einem Prä-Test (2 Termine) beginnen. Anschließend startet das Training mit einer Biofeedback-Testsitzung. Das Kind wird dann 2 bis 3 mal pro Woche für eine Stunde bei uns trainieren, bis 15 Trainingssitzungen absolviert sind. Nach der 8. Sitzung pausiert das Training für 2 bis 3 Wochen. Nach dem letzten Training folgt eine Nachuntersuchung (2 Termine). Sechs Monate nach der 15. Trainingssitzung sehen wir das Kind nochmals zu einer Nachuntersuchung (2 Termine).

 

Für diese Studie werden noch Teilnehmer gesucht!

Interessenten können sich melden unter biofeedback@psycho.uni-tuebingen.de, weitere Infos finden Sie hier.

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Die Studie Biofeedbacktraining bei Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit/-Hyperaktivitätsstörung wird von Friederike Blume und Justin Hudak, M.Sc. durchgeführt und von Dipl.-Psych. Dr. Ann-Christine Ehlis und Prof. Dr. Caterina Gawrilow (Dipl.-Psych.) geleitet. Weitere Beteiligte Wissenschaftler sind: Dipl.-Psych. Dr. Thomas Dresler, Dipl.-Psych. Jan Kühnhausen, Prof. Dr. Tobias Renner.

 

Zum Nach- und Weiterlesen:

  • Gevensleben, H., Moll, G. H., Rothenberger, A., & Heinrich, H. (2014). Neurofeedback in attention-deficit / hyperactivity disorder – Different models, different ways of application. Frontiers in Human Neuroscience, 8, 1–10. doi:10.3389/fnhum.2014.00846
  • Marx, A.-M., Ehlis, A.-C., Furdea, A., Holtmann, M., Banaschewski, T., Brandeis, D., … Strehl, U. (2015). Near-infrared spectroscopy (NIRS) neurofeedback as a treatment for children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) – a pilot study. Frontiers in Human Neuroscience. Retrieved from http://www.frontiersin.org/Journal/Abstract.aspx?s=537&name=human_neuroscience&ART_DOI=10.3389/fnhum.2014.01038
  • Strehl, U., Bauer, H., Kowalski, A., Heinrich, H., Gevensleben, H., Holtmann, M., … Niepoth, L. (2013). Neurofeedback. (U. Strehl, Ed.). Stuttgart: Kohlhammer.

 

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