Hintergrund

Kinder am Übergang vom Kindergarten zur Grundschule begegnen einer wichtigen Herausforderung: sie müssen sich dem neuen Kontext Schule anpassen. Selbstregulation und exekutive Funktionen sind entscheidend für eine erfolgreiche Anpassung an die Schule und können die akademische Leistung vorhersagen. Selbstregulation umschreibt die Fähigkeit, eigene Gefühle, Gedanken und Handlungen kontrollieren zu können. Sie ist Grundlage für ein gutes Miteinander von Kindern mit Gleichaltrigen und Erwachsenen, aber auch für den Erfolg in der Schule. Exekutive Funktionen sind die kognitiven Fähigkeiten, die das Denken und Handeln steuern. Sie sind zum Beispiel aktiv, wenn wir das Reinrufen bei einem Quizspiel unterdrücken. Kinder, die Probleme mit der Selbstregulation und den exekutiven Funktionen aufweisen, benötigen frühe Unterstützungsangebote, um das tägliche Schulleben zu meistern. Ein vielversprechender Ansatz sind kurze Bewegungsübungen, da sie kostengünstig sind und sich zusätzlich positiv auf die mentale und körperliche Gesundheit auswirken. Mehrere Studien haben erste Hinweise erbracht, dass  Bewegungsspiele die Selbstregulation und exekutiven Funktionen fördern können.

 

 

Was wir untersuchen

In unserer Studie möchten wir untersuchen, ob und welche Bewegungsspiele vier- bis siebenjährigen Kindern kurzfristig helfen können, ihre Selbstregulation zu verbessern. Bislang fehlen Studien, die standardisierte Bewegungsspiele mit unterschiedlicher Intensität, aber gleichbleibenden motorisch-koordinativen Anforderungen vergleichen. Unsere Studie zielt darauf ab, einen ersten Schritt zur Klärung dieser Lücke umzusetzen. Ein weiteres Ziel besteht darin, zu überprüfen, ob Kinder mit Defiziten in der Selbstregulation und exekutiven Funktionen besonders von den Bewegungsspielen profitieren können. Bewegung kann beispielsweise die Aktivierung präfrontaler Hirnregionen steigern, die bei Personen mit stark eingeschränkter Selbstregulation reduziert ist.

 

 

Vorgehensweise

Insgesamt 100 Kinder nahmen an einem ca. 50-minütigen Termin teil, an dem verschiedene Lern- oder Bewegungsspiele von zwei Universitäts-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angeleitet wurden. Außerdem erhielten die Kinder Aufgaben mit und ohne Laptop zur Selbstregulation und ihre momentane Stimmung und die Freude an den Spielen wurde abgefragt. Die Lern- und Bewegungsspiele bestanden aus verschiedenen Übungen, die bereits mit anderen Kindern durchgeführt wurden, vielen Kindern Spaß machen und wenig Verletzungsgefahr bieten, z.B. rückwärts gehen, durch Reifen springen, jemanden nachmachen. Die Kinder erhielten eine bestimmte Auswahl der Spiele zufällig zugeteilt, so dass anschließend die Wirkung von Bewegungsspielen im Vergleich zu Spielen ohne Bewegung auf die Selbstregulation untersucht werden konnte. Zur Auswertung eines Spiels und zur Beschreibung des Ablaufs wurden während einigen Spielen Videoaufnahmen gemacht. Außerdem wurden die körperlichen Reaktionen des Kindes während der Spiele überprüft, indem mit einem Messgerät die Herzrate und Bewegungsaktivität des Kindes aufgezeichnet wurden. Die Eltern mussten einen Fragebogen mit Angaben zu ihrer Person und ihrem Kind ausfüllen.

 

Die Studie ist aktuell abgeschlossen und wird derzeit analysiert.

 

Die Studie Förderung von Selbstregulation und Exekutiven Funktionen: Evaluation kurzer Bewegungsinterventionen für Kinder am Übergang zur Grundschule“ wird von einem interdisziplinären Forscherteam der Graduiertenschule & Forschungsnetzwerk LEAD, dem Fachbereich Psychologie, des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung und des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Tübingen durchgeführt (Petra Haas (geb get more. Bugl), Prof. Dr. Caterina Gawrilow, Prof. Dr. Augustin Kelava, Dr. Johanna Schmid, Prof. Dr. Gorden Sudeck).


Zum Nach- und Weiterlesen

Bugl, P., Schmid, J., Kelava, A., Sudeck, G., & Gawrilow, C. (2016). Promoting self-regulation and executive functions in children: Evaluating the effectiveness of a brief physical activity intervention. Poster accepted for presentation at the 30th conference of the European Society of Health Psychology (EHPS/DHP), Aberdeen, United Kingdom.

Haas, P., Schmid, J., Stadler, T., Reuter, M., & Gawrilow, C. (2016). Zooming into daily life: Within-person links between physical activity and affect in young adults. Manuscript submitted for publication.

Bugl, P., Schmid, J. & Gawrilow, C. (2015). Ambulantes Assessment in der Schule: Den schulischen Alltag erfahrbar machen [Ambulatory assessment in school: Discovering daily school life]. Lernen und Lernstörungen, 4 (4), 261-268.

 

Kontakt: petra.haas(at)uni-tuebingen.de

 

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