Begabtenförderung im Regelunterricht – wie kann das gelingen?

11.03. 2020 | Von Marlies Klotz

Begabtenförderung findet meist zusätzlich außerhalb des Unterrichts statt. Wie aber lässt sie sich in den Regelunterricht einbinden? Das erproben Wissenschaft und Praxis in enger Zusammenarbeit.

Bekommen leistungsstarke Kinder im deutschen Schulsystem ausreichend Möglichkeiten, ihr Leistungspotenzial bestmöglich zu entwickeln? Laut großer Schulleistungsstudien, wie zum Beispiel PISA, erzielen nur wenige Kinder in Deutschland Spitzenleistungen.

Die bundesweite Initiative „Leistung macht Schule“ (LemaS) will das ändern: „Alle Kinder sollen in der Schule die Möglichkeit haben, ihre Stärken und Talente zu entwickeln, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status“. Dazu arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von 16 Universitäten mit 300 Schulen zusammen und entwickeln gemeinsam Konzepte für eine Begabungs- und Leistungsförderung in der Schule.

Materialien, deren Wirksamkeit bereits wissenschaftlich untersucht wurde 

Konkret sieht das so aus: Im Teilprojekt der Universität Tübingen entwickeln Forscherinnen und Forscher Unterrichtseinheiten, die in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zur Förderung leistungsstarker und potenziell leistungsfähiger Grundschulkinder eingesetzt werden können. Dabei greifen sie auf Materialien zurück, deren Wirksamkeit bereits wissenschaftlich untersucht wurde. 

An dieser Stelle kommen die so genannten Hector Core Courses ins Spiel. Diese Kurse wurden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einem interdisziplinären Team und im engen Austausch mit der Praxis entwickelt. Im Rahmen der Hector Kinderakademien, die es in Baden-Württemberg an 66 Standorten gibt, werden die Hector Core Courses als Zusatzangebote für besonders begabte und hochbegabte Grundschulkinder außerhalb des Unterrichts angeboten. Die Kurse basieren auf aktuellen Erkenntnissen der Fachdidaktik, Psychologie und der Unterrichtsqualitätsforschung.

Die Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen und des Frankfurter Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) konnten in mehreren Studien zeigen, dass die Hector Core Courses zur Förderung von begabten und hochbegabten Kindern geeignet sind und zu einer positiven Entwicklung der Grundschulkinder beitragen.

Begabtenförderung im Regelunterricht: Mit angepassten Materialien aus den Hector Kinderakademien soll das möglich werden.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten mit 13 Grundschulen zusammen

Nun erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit 13 Grundschulen verschiedener Bundesländer, wie die Materialien aus diesen Kursen in den Regelunterricht integriert werden können. Konkret geht es um drei Kurse, in denen mathematische Fähigkeiten, Präsentationskompetenz und das Wissenschaftsverständnis gefördert werden. Dazu arbeiten die Lehrkräfte der Grundschulen mit den Materialien der Hector Core Courses.

Am Ende der Projektaufzeit soll das an den Regelunterricht angepasste Material vervielfältigt und deutschlandweit verbreitet werden. Evelin Herbein, die einen der Kurse entwickelt hat, beschreibt LemaS und die Zusammenarbeit mit den Schulen als Mehrgewinn: „Die enge Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft steht im Kern des Projektes und ist sehr bereichernd. Sie ermöglicht es, über alle Phasen der Entwicklung und Überprüfung der Materialien hinweg, die verschiedenen Perspektiven zu verknüpfen, um so gemeinsam unser Ziel zu erreichen.“

„Wir haben bei LemaS die Chance wissenschaftlich fundiertes Material für den Regelunterricht zu entwickeln, das Lehrkräfte nutzen können, um die Stärken und Schwächen der Kinder objektiv und zuverlässig zu erfassen und die Kinder dementsprechend optimal zu fördern“, sagt Jessika Golle, Juniorprofessorin am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen und Leiterin des Teilprojekts. „Wir können noch viel über eine gelingende Zusammenarbeit von Bildungspraxis und -forschung lernen und dieses Forschungsprojekt bietet eine sehr gute Grundlage dafür.“

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Über die Autorin

Marlies Klotz ist wissenschaftliche Hilfskraft im LemaS-Projekt und Masterstudentin der Empirischen Bildungsforschung und Pädagogischen Psychologie am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen.


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