Motivation der Lehrkraft ist entscheidend für den erfolgreichen Einsatz digitaler Medien

Von Iris Backfisch

Weltweit halten digitale Medien Einzug in Klassenräume und verändern das Lernen und Lehren im Schulalltag. Auf dem Weg ins digitale Klassenzimmer braucht es jedoch nicht nur die technische Infrastruktur, die Bund und Länder seit vergangenem Jahr mit dem DigitalPakt Schule ausbauen. Für einen didaktisch sinnvollen Einsatz digitaler Medien, wie Tablets im Klassenzimmer, spielen vor allem die professionellen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern eine entscheidende Rolle.

Im Rahmen meiner Dissertation habe ich gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern innerhalb und außerhalb des LEAD Graduate School & Research Network untersucht, welchen Einfluss Motivation und Wissen von Lehrpersonen auf die Qualität medienbasierten Unterrichts haben. Ein Aspekt der Motivation von Lehrpersonen ist die Valenz digitaler Medien– also die individuell wahrgenommene Wertigkeit und Nützlichkeit, die sie digitalen Medien beimessen. Es zeigte sich, dass die Valenz entscheidend dafür ist, wie häufig und vor allem in welcher Qualität medienbasierter Unterricht stattfindet. Lehrpersonen mit ausgeprägtem fachdidaktischem Wissen und höherer Valenz erreichten eine bessere instruktionale Qualität in medienbasierten Unterrichtsplänen. Überraschenderweise zeigtenweitere Analysen, dass die Valenz hierbei eine wichtigere Rolle spielt als das fachdidaktische Wissen. Folglich profitieren Schülerinnen und Schüler potentiell am meisten von Unterrichtsplänen, die von Lehrkräften erstellt werden die eine hohe Nützlichkeit digitaler Medien in der Schule wahrnehmen.

Den Mehrwert digitaler Medien erkennen – und nutzen

Eine weitere Studie innerhalb des Projekts tabletBW offenbart, dass auch bei Lehrpersonen, die aktuell über eine vergleichsweise sehr gute technische Infrastruktur verfügen, motivationale Aspekte professioneller Kompetenzen – wie die Nützlichkeitseinschätzung digitaler Medien – die Unterrichtsqualität beeinflussen. Lehrpersonen mit einer höheren Valenz setzten hier ebenfalls eine bessere Qualität des Unterrichts mit digitalen Medien um.

Ähnliche Effekte in Norwegen

In einer dritten Studie, die ich im Rahmen eines Forschungsaufenthalts in Norwegen durchgeführt habe, wurden teilweise gleiche Ergebnisse gewonnen. Auch bei den norwegischen Lehrpersonen, die gleichermaßen über eine sehr gute technische Infrastruktur verfügen, war die Valenz entscheidend dafür, wie häufig digitale Medien im Unterricht eingesetzt wurden. Gleichzeitig spielte hier auch die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, eine entscheidende Rolle.

Lehrerbildung und Evaluierung weiterentwickeln

Zusammengefasst, scheint es für die Nutzung digitaler Medien im Unterricht vor allem wichtig zu sein, dass Lehrpersonen den Mehrwert digitaler Medien für den Unterricht erkennen. Die Studienergebnisse können dazu beitragen, Konzepte zur Gestaltung der Lehrerbildung und Evaluierung von medienbasiertem Unterricht weiterzuentwickeln.


Zum Weiterlesen:

Backfisch, I., Lachner, A., Hische, C., Loose, F., & Scheiter, K. (2020). Professional knowledge or motivation? Investigating the role of teachers’ expertise on the quality of technology-enhanced lesson plans. Learning and Instruction, 66. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2019.101300

Backfisch, I., Lachner, A., Stürmer, K., & Scheiter, K. (2020). Gelingensbedingungen beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht – Kognitive und motivationale Voraussetzungen         von    Lehrpersonen. In: Beck, N., Bohl. T., & Meissner, S. Forschungs- und Entwicklungsfelder der     Lehrerbildung auf dem Prüfstand. Ergebnisse der ersten Förderphase der Qualitätsoffensive    Lehrerbildung an der Tübingen School of Education. Tübingen: Tübingen University Press.

Lachner, A., Backfisch, I., & Stürmer, K. (2019). A test-based approach of Modeling and Measuring   Technological Pedagogical Knowledge. Computers & Education, 142, 103645. https://dx.doi.org/10.1016/j.compedu.2019.103645


Über die Autorin:

Iris Backfisch ist seit März 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Tübingen School of Education und am Zentrum Digitalisierung in der Lehrerbildung Tübingen. Während ihrer Dissertation war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen angestellt. Der Titel ihrer Dissertation lautet: Skill or Will? Comprehensive Conceptualization of Technology-Enhanced Teaching and its Relation to Teachers’ Professional Knowledge and Motivation (Zugang nur mit Login).


Recommended Posts

Leave a Comment

Contact Us

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Not readable? Change text. captcha txt