Von Gundula Stoll – Self-Assessments sind webbasierte, kostenfreie Angebote, die Studieninteressierte bei der Studienentscheidung unterstützen sollen. Sie werden eingesetzt, um Studieninteressierten Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie für eine erfolgreiche Studienfachwahl benötigen. Durch ein Self-Assessment erhalten Studieninteressierte eine objektive Rückmeldung zu ihren Fähigkeiten und Eigenschaften sowie studiengangspezifische Informationen zu den Anforderungen und Inhalten eines Studienfachs. Während im Rahmen von Auswahlverfahren die Hochschule die besten Bewerberinnen und Bewerber auswählt, sind es im Self-Assessment die Studieninteressierten selbst, die aus einer Vielzahl von Möglichkeiten den Studiengang auswählen, der am besten zu ihren Fähigkeiten und Vorstellungen passt. Durch ihre besonderen Eigenschaften – die webbasierte Anwendung, die Anregung zur Selbstreflektion und die hohe Eigenverantwortlichkeit der Studieninteressierten – stellen Self-Assessments eine hilfreiche Ergänzung zu herkömmlichen Beratungsangeboten dar.

 

Diagnostik, Information und Intervention

Je nach Funktion und Zielsetzung können sich Self-Assessments in ihren Inhalten grundlegend voneinander unterscheiden. Für den Einsatz kommen grundsätzlich Instrumente mit diagnostischem, informativem oder Interventionscharakter in Frage.

Zu den diagnostischen Instrumenten gehören Leistungs-, Persönlichkeits-, Interessen- und Motivationstests, weil man davon ausgeht, dass diese Faktoren einen großen Einfluss auf die Studienwahl, sowie auf Erfolg und Zufriedenheit im Studium haben. Diagnostische Elemente dienen dazu, die Stärken und Schwächen der Person objektiv zu ermitteln und diese mit den Anforderungen eines Studiums abzugleichen. Eine Ergebnisrückmeldung in den getesteten Bereichen trägt dazu bei, dass Studieninteressierte die eigene Eignung für einen Studiengang reflektieren, bevor sie eine Entscheidung treffen. Oftmals werden in Self-Assessments Interessentests angeboten, um passende Studiengänge zu empfehlen. Dies hat damit zu tun, dass Interessen einer der stärksten Faktoren bei Berufs- und Studienentscheidungen sind. Darüber hinaus gilt die Passung zwischen individuellen Interessen und den Inhalten im Studium als ein wichtiger Prädiktor für Zufriedenheit, Leistung und Verbleib im Studium.

Self-Assessments, die einen informativen Charakter haben, können beispielweise eine Art Vorschau auf Studieninhalte umfassen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf einer tatsachengemäßen Darstellung der Inhalte und Anforderungen. Durch die Bearbeitung von Beispielaufgaben, das Lesen von Beispieltexten oder die Betrachtung kurzer Filmsequenzen erhalten Studieninteressierte einen Eindruck vom jeweiligen Studiengang. Ein weiteres Informationselement, jedoch mit Interventionscharakter sind sogenannte Erwartungschecks. Sie zielen darauf ab, dass Studieninteressierte mit möglichst realistischen Erwartungen ins Studium starten können. Erwartungschecks umfassen richtige und falsche Aussagen über das Studium und regen Studieninteressierte zur Reflexion ihrer Erwartungen an. Durch die direkte Rückmeldung über die Korrektheit ihrer Einschätzungen sowie kurze Erklärungstexte können Studieninteressierte gezielt auf falsche Erwartungen hingewiesen werden.

Darüber hinaus können die Ergebnisse aus den diagnostischen Verfahren eines Self-Assessments mit individuellen Empfehlungen für Brückenkurse oder E-Learning-Angebote verknüpft werden. Self-Assessments mit dieser Art Interventionscharakter zielen darauf ab, die Eingangsbedingungen der Studieninteressierten zu verbessern und ihnen trotz eventuell bestehender Defizite einen erfolgreichen Start ins Studium zu ermöglichen.

 

Einsatz in Schulen

Self-Assessments bieten Studieninteressierten eine Unterstützung beim Übergang von der Schule ins Studium. Für Studieninteressierte besteht dabei die Möglichkeit, sich über hochschulspezifische Schwerpunkte bzw. Besonderheiten der Fächer zu informieren. Darüber hinaus können Self-Assessments auch in Schulen, beispielweise im Kontext der Berufsorientierung oder als Vor- bzw. Nachbereitung von Studieninformationstagen, genutzt werden. Das Self-Assessment der Universität Tübingen umfasst beispielsweise vier Module, die an unterschiedlichen Stellen im Entscheidungsprozess für ein Studium ansetzen. Dabei kommen diagnostische und informative Instrumente sowie Elemente mit Interventionscharakter zum Einsatz. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab Klasse 11. Kontakt für Rückfragen zur Nutzung von Self-Assessments im Schulunterricht : Constanze Brazel (constanze.brazel@uni-tuebingen.de, Tel.: 07071 – 29 76394).

 

Zum Weiterlesen:

Stoll, G. (in Druck). Online-Self-Assessments zur Studienfachwahl – wie Hochschulen die Potentiale dieses Instruments effektiv nutzen können. In: Driesen, C. & Ittel, A. (Hg.): Erfolgreich ankommen –Strategien, Strukturen und Best Practice deutscher Hochschulen für den Übergang Schule- Hochschule. Münster: Waxmann.

 

Gundula Stoll ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen und an der Entwicklung des Self-Assessment-Angebots für die grundständigen Studiengänge der Universität Tübingen beteiligt. 

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