Warum forschen Sie im virtuellen Klassenzimmer, Frau Blume?

Foto: Jeshoots/Unsplash

Das haben wir Postdoktorandin Friederike Blume gefragt. Ihre Antwort:

In der Bildungsforschung wollen wir herausfinden, was dafür sorgt, dass Schülerinnen und Schüler möglichst viel lernen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, weil viele Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen. Liegt der Lernerfolg vor allem an der Lehrkraft? Oder vielleicht auch an den Mitschülerinnen und Mitschülern? Kommt es möglicherweise auch auf den Sitzplatz an?

Das sind viele Fragen. Würde man sie alle mithilfe „normaler“ Schulklassen beantworten wollen, wäre das ziemlich kompliziert. Erstens würde man sehr viele Klassen benötigen, um mögliche Zufallseffekte auszuschließen und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Zweitens ist es gar nicht so einfach, manche der Faktoren, die für den Lernerfolg eine Rolle spielen könnten, in der Schulrealität zu untersuchen. Würden es Eltern akzeptieren, dass ihr Kind „aus wissenschaftlichen Gründen“ in eine sehr große Klasse oder neben den „Klassen-Clown“ gesetzt würde?

Und drittens ist es nahezu unmöglich, im normalen Unterricht nur ein einzelnes Merkmal zu ändern, während alles andere gleich bleibt. So lässt sich zum Beispiel kaum eine Unterrichtssituation zwei Mal exakt gleich wiederholen, beispielsweise um herausfinden, wie sich eine geänderte Sitzordnung auf den Unterricht auswirkt. Im virtuellen Klassenzimmer ist das hingegen problemlos möglich. Und nur wenn alles bis auf das eine Merkmal exakt gleichbleibt, lässt sich relativ sicher sagen, dass es eben die andere Sitzordnung war, die diese Wirkung ausgelöst hat.

Mithilfe von Virtual Reality können wir also Fragen beantworten, die im Schulalltag höchst relevant sind, aber nur schwer unter realen Bedingungen untersucht werden können. Das sehe ich als große Chance für unsere Forschung.

IM VIRTUELLEN KLASSENZIMMER

nimmt ein Schüler oder eine Schülerin über eine Virtual-Reality-Brille an einem vorab programmierten und von einem Computer visualisierten Unterricht teil. Genau wie im realen Klassenzimmer stehen hier Stühle, Tische, ein Lehrerpult und eine Tafel. Es gibt dem Unterricht folgende oder auch störende Klassenkameradinnen und -kameraden, eine unterrichtende Lehrkraft und eine natürliche Geräuschkulisse. Die Schülerinnen und Schüler erleben also einen nur virtuell existierenden Unterricht, als ob er real stattfinden würde.


Dieser Artikel erschien zuerst in Bildungshorizonte – Magazin des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung.

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