Was unser Lernen beeinflusst

Von Marion Spengler

Für den Lernerfolg spielt Begabung eine wichtige Rolle, wobei gilt, dass den meisten Schülerinnen und Schülern manche Fächer besser liegen als andere. Aber die Begabung ist bei weitem nicht allein entscheidend: Von zentraler Bedeutung sind weitere Faktoren, wie etwa Motivation, die Persönlichkeit sowie die Lernumgebung. Die Forschung will wissen: Wie wirken sie genau? Kann man sie beeinflussen?

Warum sind manche Schülerinnen und Schüler besser in der Schule als andere? Was macht eine „gute“ Schülerin, einen „guten“ Schüler aus? Wie begabt jemand in Mathematik oder Deutsch ist, spielt eine gewisse Rolle für die Leistung im jeweiligen Fach. Forscherinnen und Forscher haben zudem herausgefunden, dass auch das Vorwissen von Schülerinnen und Schülern zentral ist für spätere Leistungen. Die Forschung spricht hier von den sogenannten kognitiven Faktoren.

Gute Schulnoten hängen von vielen Eigenschaften ab. Dazu gehört auch, wie schnell Schülerinnen und Schüler bei schwierigen Aufgaben aufgeben.
Erfolg hängt auch davon ab, wie schnell jemand aufgibt

Kommt es also in der Schule nur auf diese kognitiven Faktoren an? Muss man nur begabt genug sein und die guten Noten kommen von alleine? Oder umgekehrt: Wer nicht begabt ist, kann gleich die Hände in den Schoß legen? So einfach ist es nicht.

Ob jemand gute Schulnoten erzielt oder das Studium erfolgreich beendet, hängt von vielen Eigenschaften ab. Zum Beispiel davon, wie schnell jemand bei schwierigen Aufgaben aufgibt, wie leicht sich jemand für unbekannte Themen und Aufgaben begeistern kann oder wie gründlich und gewissenhaft jemand arbeitet. Im Gegensatz zu den kognitiven Faktoren spricht man hier auch von sogenannten „soften“ oder sozio-emotionalen Kompetenzen, zu denen auch Motivation und Persönlichkeit gehören.

Wer denkt, in einem Fach besonders gut zu sein, erzielt eine höhere Leistung

Der Motivation von Schülerinnen und Schülern kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie ist nicht nur für Erfolg und Wohlbefinden in der Schule von Bedeutung, sondern auch darüber hinaus für den späteren akademischen Werdegang. Ob eine Schülerin oder ein Schüler eine bestimmte Lernaufgabe oder auch ein bestimmtes Fach auswählt und dabei ein hohes Engagement zeigt, lässt sich gut durch zwei motivationale Faktoren vorhersagen: die Erfolgserwartung („Kann ich es?“) und die Wertüberzeugung („Was bringt es mir?“). Denken Schülerinnen und Schüler, dass sie in einem Fach besonders gut sind, oder erachten sie das Fach als wichtig und relevant, führt das zu einer besseren Leistung.

Das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung beschäftigt sich intensiv mit diesen beiden Faktoren und will verstehen, inwiefern sie dazu beitragen, dass manche Schülerinnen und Schüler besser in der Schule sind als andere. Und sie wollen herausfinden, wie sich Motivation im Unterricht steigern lässt.

Warum gelingt es vielen Lehrkräften nicht, die Motivation besser zu fördern?

Denn die Fragen, die sich hier stellen, sind: Warum fällt es Schülerinnen und Schülern oft so schwer, motiviert an den Lernstoff zu gehen, welche Faktoren beeinflussen die Motivation? Und warum gelingt es vielen Lehrkräften nicht, die Motivation besser zu fördern?

Das Hector-Institut ist Teil einer seit einigen Jahren weltweit wachsenden Gruppe von Personen und Instituten, die sich auf die Erforschung von Motivation „in der Schulwirklichkeit“ konzentriert. Dabei werden ausgehend von psychologischen Theorien Maßnahmen (sogenannte „Interventionen“) zur Förderung der Motivation entwickelt und deren Wirksamkeit im Schulkontext überprüft. Das Hector-Institut untersucht insbesondere, welche Faktoren es sind, die die Erwartungs- und Wertüberzeugungen beeinflussen, welche Bedeutung diese Faktoren für das Leistungsverhalten haben und wie sich darauf aufbauend Erwartungs- und Wertüberzeugungen gezielt fördern lassen.

In den beruflichen Interessen spiegeln sich die Vorlieben für bestimmte Tätigkeiten

Wenn die Forscherinnen und Forscher am Hector-Institut von Persönlichkeit sprechen, dann verstehen sie darunter sowohl Eigenschaften, die wesentliche Bereiche der eigenen Identität betreffen, wie etwa Selbstwert, Fleiß, Selbstkontrolle, Intelligenz oder die psychische Gesundheit.

Auch berufliche Interessen lassen sich in dieses breite Verständnis von Persönlichkeit einordnen, da sich in ihnen die Vorlieben von Personen für bestimmte Tätigkeiten widerspiegeln, wie beispielsweise das Arbeiten mit anderen Menschen.

Unter den Oberbegriff der Persönlichkeit fallen somit alle veränderbaren und erlernbaren Eigenschaften, die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, im Laufe ihrer Bildungsbiographie zu erfolgreichen, zufriedenen und gesunden Individuen heranzuwachsen. Diese werden von den Forscherinnen und Forschern am Hector-Institut genau betrachtet. Dabei halten sie zwei Forschungsfragen für zentral: Welche Bedeutung hat die Persönlichkeit für den Bildungserfolg jedes Einzelnen? Und reicht dieser Einfluss auch noch in das spätere Leben hinein?

Auch die Lernumgebung beeinflusst die Leistung

Ein weiterer Faktor, der nicht nur die Leistung von Schülerinnen und Schülern, sondern auch deren Entwicklung zu jungen Erwachsenen beeinflusst, ist die Lernumgebung: Das Bildungssystem, die Lehrkraft, selbst Mitschülerinnen und Mitschüler spielen hier eine Rolle.


Über die Autorin

Marion Spengler ist Nachwuchsgruppenleiterin am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung. Ihre Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle von Persönlichkeitspsychologie und Empirischer Bildungsforschung.


Dieser Artikel erschien zuerst in Bildungshorizonte – Magazin des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung.

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