Hintergrund

Mathematische  Kompetenzen stellen eine Schlüsselqualifikation in unserer Gesellschaft dar, der für viele Studiengänge, Ausbildungen und Berufe eine große Bedeutung zukommt. Gleichzeitig beobachten Lehrkräfte häufig, wie die Begeisterung ihrer Schülerinnen und Schüler für schulische Inhalte mit zunehmendem Alter sinkt. Dieser Motivationsabfall ist im Fach Mathematik besonders ausgeprägt. In der Studie „Motivationsförderung im Mathematikunterricht“ (MoMa) aus dem Schuljahr 2012/13 gingen wir der Frage nach, wie man in den höheren Klassenstufen Jugendliche wieder für Mathe begeistern kann. Wie kann man sie von der Relevanz des Faches überzeugen? Und wie kann man ihnen zeigen, dass Mathe für ihr späteres Leben durchaus nützlich ist und es sich lohnt, sich in diesem Fach anzustrengen? Diese Fragen lagen unserer Studie zugrunde.

Den theoretischen Hintergrund hierbei bildet das Erwartungs-Wert-Modell der Leistungsmotivation von Jaquelynne Eccles und Kollegen (1983). Danach wird die Leistungsbereitschaft, eine Aufgabe zu erfüllen, durch die Erfolgserwartung („Kann ich es?“) und das subjektive Wertempfinden („Was bringt es mir?“) beeinflusst. In einer Reihe von Studien konnte gezeigt werden, dass Erwartungs- und Wertüberzeugungen der Schülerinnen und Schüler deren Anstrengungsbereitschaft, Leistungsentwicklung und akademische Entscheidungen wie Kurs- und Studienwahlen vorhersagen.

Innerhalb unserer Studie wurden 82 Klassen aus 25 Schulen zufällig zwei Gruppen zugewiesen: einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe. Klassen der Interventionsgruppe erhielten eine doppelstündige Unterrichtseinheit zur Relevanz der Mathematik, durchgeführt von geschulten Uni-Mitarbeitern. Die Kontrollklasse erhielten diese Doppelstunde nicht. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich bereits durch diese kleine Maßnahme die Wertüberzeugungen, Erfolgserwartungen, Anstrengungsbereitschaft und Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Interventionsgruppe steigern ließen. Dieser Effekt ließ sich nicht nur unmittelbar nach der Unterrichtseinheit feststellen sondern auch noch fünf Monate später. Zusammenfassend lässt sich also sagen: Die Motivation für Mathematik lässt sich tatsächlich fördern! (Die Zeit, 30.04.2015)

 

Was wir untersuchen

Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten MoMa-Studie möchten wir nun in einer MoMa-Folgestudie untersuchen, unter welchen Bedingungen die Interventionsmaterialien erfolgreich im regulären Mathematikunterricht eingesetzt werden können. Es soll getestet werden, ob es einen Unterschied macht, ob die doppelstündige Unterrichtseinheit durch die reguläre Lehrkraft oder durch speziell ausgebildete Masterstudierende durchgeführt wird. Lehrkräfte, die an der Studie teilnehmen möchten, erhalten deshalb eine Fortbildung, in der sie in die Motivationspsychologie eingeführt werden und mit den Interventionsmaterialien vertraut gemacht werden. Durch dieses Vorgehen soll untersucht werden, ob das MoMa-Material auch für „Realbedingungen“ geeignet ist.

 

Vorgehensweise

Um mögliche Unterschiede untersuchen zu können, werden in unserer neuen Studie die teilnehmenden Klassen zufällig drei unterschiedlichen Gruppen zugewiesen. Die ersten beiden Gruppen (1) „Interventionsdurchführung durch die reguläre, von uns geschulte Lehrkraft“ und (2) „Interventionsdurchführung durch speziell ausgebildete Masterstudierende“ dienen dem Vergleich der Durchführung durch Lehrkräfte und externe Durchführende. Die Intervention dauert eine Doppelstunde. Die dritte Gruppe erhält als Wartekontrollgruppe zunächst keine Intervention. Eine solche Wartekontrollgruppe ist als Vergleichsgruppe notwendig. Klassen dieser Gruppe erhalten jedoch zu einem späteren Zeitpunkt die erfolgreichere der beiden getesteten Interventionsbedingungen. Die begleitende Datenerhebung dauert je eine Schulstunde und erfolgt im Oktober und Dezember 2017 sowie im Februar 2018.

Durch die halbtägige Fortbildung zur Motivationspsychologie erhalten die Studienteilnehmer Einblick in den aktuellen Forschungsstand. Dieser wird ergänzt durch die Informationen, die den Schülerinnen und Schülern in der Doppelstunde zur Relevanz in Mathematik dargeboten werden. Die Teilnahme an der Studie und der damit verbundenen Intervention stellt für die Klasse eine Möglichkeit dar, über die Relevanz der Mathematik für ihr späteres Leben nachzudenken und dadurch einen potentiellen Motivationsanstieg zu erleben. Darüber hinaus erhalten alle Klassen Rückmeldungen zu den Ergebnissen der Studie.

 

Das MoMa-Projektteam

Projektleitung: Dr. Hanna Gaspard, Prof. Dr. Benjamin Nagengast, Prof. Dr. Ulrich Trautwein

Projektmitarbeiterinnen: Heide Kneißler, M.Sc., Cora Parrisius, Dr. Eike Wille

Weitere Informationen unter www.hib.uni-tuebingen.de/moma und im Flyer.

Kontakt für Rückfragen: moma@hib.uni-tuebingen.de

 

Zum Weiterlesen

Brisson, B. M., Dicke, A.-L., Gaspard, H., Häfner, I., Flunger, B., Nagengast, B., & Trautwein, U. (in press). Short intervention, sustained effects: Promoting students’ competence beliefs, effort, and achievement in mathematics. American Educational Research Journal.

Eccles, J. S., Adler, T. F., Futterman, R., Goff, S. B., Kaczala, C. M., Meece, J. L., & Midgley, C. (1983). Expectancies, values and academic behaviors. In J. T. Spence (Ed.), Achievement and achievement motives (pp. 74–146). San Francisco, CA: W. H. Freeman.

Gaspard, H., Dicke, A., Flunger, B., Brisson, B. M., Häfner, I., Nagengast, B., & Trautwein, U. (2015). Fostering adolescents’ value beliefs for mathematics with a relevance intervention in the classroom. Developmental Psychology, 51(9), 1226–1240. doi:10.1037/dev0000028

 

Beitragsbild: © Kzenon – Fotolia.com

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