Von Nicole Tieben – Trotz vielfältiger Maßnahmen zur richtigen Studienwahl kann es vorkommen, dass das Studium letztendlich ganz abgebrochen wird. Dafür kann es viele Gründe geben, die von einem fehlenden Interesse am Studium über Leistungsdefizite bis hin zur Zwangsexmatrikulation gehen. Für die Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher bedeutet dies häufig eine Neuorientierung und Suche nach einer Alternative. Dabei spielt die berufliche Ausbildung eine nicht zu unterschätzenden Rolle.

Das duale System bietet vielen Abiturienten in Deutschland eine attraktive Alternative zum Hochschulstudium, so dass rund ein Drittel aller Studienanfänger mit einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung in die Hochschule eintreten. Diese beruflichen Qualifikationen können während des Studiums hilfreich sein, denn immerhin wählen viele dieser „Studierenden mit vor-tertiärer Berufsausbildung“ ein Studienfach, das einen Bezug zum erlernten Beruf aufweist.  Die berufliche Qualifikation kann jedoch auch die Risiken eines Studienabbruchs abfedern und Studienabbrecher/-innen den Übergang in den Arbeitsmarkt erleichtern.

In unserer Studie1 zeigt sich, dass Studienabbrecher/-innen mit vor-tertiärer beruflicher Qualifikation deutlich schneller den Einstieg in den Arbeitsmarkt finden, während Studienabbrecher/-innen ohne Ausbildungsabschluss oft noch nach dem Studienabbruch eine Berufsausbildung beginnen. Auch das Arbeitslosigkeitsrisiko im ersten Jahr nach der Exmatrikulation ist in der Gruppe ohne Berufsausbildung etwas höher (12 Prozent ohne Ausbildungsabschluss und 9 Prozent mit Ausbildungsabschluss).

Eine langfristige Beobachtung zeigt jedoch, dass Studienabbrecher/-innen ohne Berufsausbildung nach fünf Jahren ähnlich gut in den Arbeitsmarkt integriert sind. Ist die „nachgelagerte“ Berufsausbildung erst einmal abgeschlossen, gleichen sich die Gruppen offenbar an. Auch was die Art der Beschäftigung betrifft, zahlt sich die Berufsausbildung in den meisten Fällen aus: Studienabbrecher/-innen, die ohne weitere berufliche Ausbildung in den Arbeitsmarkt eintreten, sind häufiger in Positionen ohne besondere Qualifikationsanforderungen (un-/angelernte Arbeitnehmer/-innen) anzutreffen Full Report.

Erstaunlich ist jedoch, dass in dieser Gruppe gleichzeitig oft der Einstieg in hochqualifizierte Tätigkeiten gelingt. Die Gründe für diese Beobachtung sind weitgehend ungeklärt und bedürfen weiterer Forschung. Wir vermuten jedoch, dass es in einigen Branchen weniger auf den eigentlichen Abschluss ankommt, sondern vielmehr auf Erfahrungen und Talent. Dies deutet darauf hin dass möglicherweise manche Studierende ihr Studium abbrechen, weil sie ein sehr gutes Jobangebot hatten.

Dr. Nicole Tiebe ist Soziologin und Autorin der Expertise zum „Datenreport 2016“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

1 LEAD-Expertise: Studienverlauf, Verbleib und Berufsstatus von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern – Ergänzende Informationen zum Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2016

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