von Franziska Rebholz

Jedes Jahr werden Schülerinnen und Schüler von Lehrkräften oder Eltern motiviert, an Schülerwettbewerben teilzunehmen. Schülerwettbewerbe, so der Fördergedanke, stellen die Schülerinnen und Schüler vor Herausforderungen, die sie im schulischen Alltag vermissen. Während sie schulische Aufgaben möglichweise meist spielend lösen können, werden sie in einem Wettbewerb mit speziell konzipierten Aufgaben konfrontiert, die für sie häufig ungewohnt komplex sind und dadurch die Gelegenheit bieten die eigenen Stärken und Schwächen auszuloten.

Um zu gewährleisten, dass die Schülerinnen und Schüler maximal von der Teilnahme an einem Schülerwettbewerb profitieren, gibt es häufig Angebote, die die Kinder auf die Ansprüche eines speziellen Wettbewerbs vorbereiten sollen. Gut vorbereitete Schülerinnen und Schüler werden aller Wahrscheinlichkeit nach eine bessere Leistung im Wettbewerb erzielen – aber profitieren sie auch über die Wettbewerbsleistung hinaus? Haben sie nachher höhere allgemeine Kompetenzen? Und verändert sich ihre Motivation durch das Training?

Drei Grundschülerinnen beim Training für die Mathematik-Olympiade.

Kinder bei der Vorbereitung auf die Mathematik-Olympiade.

Diesen Fragen sind wir in zwei empirischen Studien nachgegangen. Als Vorbereitung auf den Wettbewerb „Mathematik-Olympiade für Grundschulkinder“ haben wir dazu ein spezielles Training entwickelt. Die Wirksamkeit dieses Trainings wurde im Rahmen des Projekts Hector Kinderakademien, einem außerschulischen extracurricularen Förderangebot für begabte und hochbegabte Grundschulkinder, untersucht.

An der ersten Studie im Schuljahr 2014/15 haben insgesamt 201 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. 50 von ihnen wurden in dem von uns entwickelten Training auf die Mathematik-Olympiade vorbereitet. Die übrigen Kinder nahmen ohne vorheriges Training an der Mathematik-Olympiade teil (Kontrollgruppe). Die Leistung in der Mathematik-Olympiade, die Mathe-Kompetenzen und die Motivation der Kinder für Mathematik haben wir mit Fragebögen erfasst. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Dritt- und Viertklässler der Trainingsgruppe eine bessere Leistung in der Mathematik-Olympiade und höhere Mathe-Kompetenzen. Die Viertklässler der Trainingsgruppe waren nach dem Kurs außerdem mehr am Lösen mathematischer Aufgaben interessiert als die Viertklässler der Kontrollgruppe.

Nachdem die Ergebnisse der ersten Studie also auf positive Einflüsse unseres Trainings auf die Leistung in der Mathematik-Olympiade, die Mathe-Kompetenzen und die Motivation hindeuteten, haben wir im Schuljahr 2015/16 eine zweite Studie durchgeführt. Diese hatte insbesondere das Ziel die Auswirkungen des Trainings auf verschiedene Mathe-Kompetenzen näher zu betrachten. Zur besseren Vergleichbarkeit der beiden Gruppen wurde für diese Studie ein randomisiertes Warte-Kontrollgruppen-Design gewählt. Dies bedeutet, dass von den 97 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studie die erste Hälfte unser Training gleich, die andere Hälfte erst nach der zweiten Befragung besuchte. Erneut wurden die Leistung in der Mathematik-Olympiade sowie die Mathe-Kompetenzen mittels Fragebögen erfasst. Nach dem Training schnitten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Trainings auch in dieser Studie besser in der Mathematik-Olympiade ab, was auf eine erfolgreiche Förderung der prozessbezogenen Mathe-Kompetenzen (z.B. Problemlösen und Argumentieren) hindeutet. Aber nicht nur die prozess-, sondern auch die inhaltsbezogenen Kompetenzen (z.B. Rechenoperationen) scheinen sich durch die Teilnahme am Training insbesondere bei den Mädchen zu verbessern.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach erfolgreicher Teilnahme an der Mathematik-Olympiade.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach erfolgreicher Teilnahme an der Mathematik-Olympiade.

Beide Studien stützen damit die Vermutung, dass Schülerinnen und Schüler von der gezielten Vorbereitung auf einen Wettbewerb profitieren. Obwohl eine sehr spezifische Vorbereitung stattfand, scheinen die Schülerinnen und Schüler die im Training erworbenen Kompetenzen in anderen Kontexten ebenfalls anwenden zu können. Die Vorbereitung auf einen Wettbewerb könnte also eine gute Möglichkeit sein, Schülerinnen und Schüler, die schulische Aufgaben sicher lösen können, zu fördern. Zur detaillierten Untersuchung der Auswirkungen des Trainings auf die Motivation für Mathematik und zur Replikation der bisherigen Befunde wird im Schuljahr 2017/18 eine weitere Studie durchgeführt.

 

Franziska Rebholz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung. Im Rahmen von LEAD promovierte sie zu dem Thema „Fostering Mathematical Comepetences by Preparing for a Mathematical Competition“.

Recommended Posts

Leave a Comment

Contact Us

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Not readable? Change text. captcha txt
Kinderhände drehen Rotationswürfel.