Von Carla Cederbaum – Was haben Slalom fahren, Bananen und Seifenblasen mit Mathematik zu tun? Einiges! Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Erlernen mathematischer Inhalte und Methoden dann am erfolgreichsten ist, wenn sich die Lernenden ein eigenes Bild der mathematischen Zusammenhänge konstruieren.

Dieses Vorgehen ähnelt sehr dem von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei der Erforschung bisher unbekannter mathematischer Zusammenhänge. Ein solches „forschendes Lernen“ könnte also auch bei Schülerinnen und Schülern sowie bei Studierenden zu einem nachhaltigeren und besser übertragbaren Verständnis von Mathematik führen.

Für Studierende im Mathe-Lehramt wäre es somit gleich doppelt relevant, das forschende Lernen selbst in einer Mathematik-Lehrveranstaltung an der Universität anzuwenden: Einerseits erlangen sie dadurch selbst ein tieferes Verständnis des mathematischen Stoffs, andererseits erfahren sie am eigenen Leib, wie  hilfreich das forschende Lernen und der damit einhergehende kreative Umgang mit Mathematik für ihre späteren Schülerinnen und Schüler sein können.

An der Universität Tübingen bieten wir daher seit letztem Wintersemester das  Seminar „Elementare Differentialgeometrie zum Anfassen“ an. Es richtet sich an Studierende im Lehramt Mathematik und beschäftigt sich inhaltlich mit dem Thema „Krümmung von Kurven und Flächen“, das an zahlreichen Punkten an den Schulstoff anknüpft. Methodisch unterscheidet sich das Seminar deutlich von gewöhnlichen Seminaren in der Mathematik: Die Studierenden erarbeiten alle Inhalte selbständig forschend und führen dabei viele Aktivitäten durch, bei denen begreifbare Materialien zum Einsatz kommen (z.B. Fahrradfahren, geometrische Objekte basteln, gehäkelte mathematische Flächen untersuchen). Am Ende haben sie mathematisch saubere Definitionen und Sätze hergeleitet.

Wir wollen das forschende Lernen von Mathematik nicht nur im universitären Lehramtsstudium systematisch verankern, sondern auch wissenschaftlich überprüfen, wie nützlich diese Art von Lernen in der Lehramtsausbildung tatsächlich ist. Das Feedback der Studierenden ist positiv. Und unsere wissenschaftliche Begleitforschung liefert weitere Indizien dafür, dass forschendes Lernen zu einem tieferen, nachhaltigeren und besser auf andere Kontexte übertragbaren Verständnis mathematischer Inhalte und Methoden sowie zu einem offeneren, kreativeren Umgang mit Mathematik führt.

Seit Oktober 2018 bieten Lisa Hilken und ich das Seminar erneut an. Jetzt wollen wir die zugrundeliegende These der Nützlichkeit von forschendem Lernen in der Lehramtsausbildung zusammen mit anderen LEAD-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern methodisch noch vielfältiger untersuchen.

Prof. Dr. Carla Cederbaum ist Juniorprofessorin am Fachbereich Mathematik der Universität Tübingen und LEAD-Mitglied. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Mathematische Relativitätstheorie, die Geometrische Analysis und die Differentialgeometrie. Darüber hinaus ist sie in der zielgruppengerechten Kommunikation von Mathematik aktiv. Ihre Mitarbeiterin Anja Fetzer wird bei unserem 5. Tag der Wissenschaft am 26.10.2018 einen Workshop zum Thema „Mathematik spielerisch begreifen mit dem Lernspiel Ganita“ halten.

 

Hier geht’s zum Blogbeitrag „Mathematik! Studierende unterrichten Flüchtlinge“ vom 18.02.2018.

 

 

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